KLIMZUG-NORD Projekt des Monats Februar 2012
Kulturlandschaftsverband Obere Wipperau gegründet (TP 3.3)
Anpassung an den Klimawandel erfordert neue Wege. Pilotprojekt ist in der Gemeinde Suhlendorf im Landkreis Uelzen gestartet.

Alle sitzen in einem Boot, wenn es um das Thema Klimawandel geht. Sowohl die Land- und Forstwirtschaft als auch der Naturschutz und der Tourismus sind davon betroffen. Vorrangiges Ziel für alle ist es, rechtzeitig Maßnahmen zu ergreifen, um sich den verändernden Bedingungen anzupassen. Eine solche Maßnahme ist der neu gegründete Kulturlandschaftsverband Obere Wipperau, ein Wasser- und Bodenverband im Sinne des Wasserverbandsgesetzes, mit Sitz in Uelzen. Er ist in dieser Form einmalig und Vorreiter in Deutschland. Seine Aufgabe ist es, mit Vertretern aus Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Wasserwirtschaft, Forschung, Naturschutz und Politik die in KLIMZUG-NORD erarbeiteten Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel umzusetzen.
Die Gemeinde Suhlendorf am Ostrand des Landkreises Uelzen ist durch intensive Landwirtschaft geprägt. Durch ihre geografische Lage, die Beschaffenheit der Böden,
die geringen Niederschläge während der Vegetationsperiode und die prognostizierten Auswirkungen des Klimawandels sind die Landwirte in dieser Region auf die Möglichkeit der Feldberegnung dringend angewiesen.
Im Vordergrund steht nun, die landwirtschaftlichen Flächen im Gebiet der Gemeinde Suhlendorf und angrenzende Flächen aus dem Kreis Lüchow-Dannenberg nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten zusammenzulegen. Hintergrund dafür sind neue Beregnungstechniken wie beispielsweise die Kreisberegnungen in der Gemeinde Güstau. Solche wasser- und energiesparenden Beregnungstechniken erfordern eine bestimmte Schlaggröße. Das kann bedeuten, dass hier ein paar Bäume an der Ecke im Weg sind, dort ein Wirtschaftsweg ungünstig verläuft. Nun ist es Aufgabe des Verbandes, diese Hindernisse so zu beheben, dass der Naturschutz gewahrt bleibt, also dass Wege verlagert, Gehölze umgesetzt oder wenn erforderlich Biotope verlegt werden. So wäre es beispielsweise vorstellbar, dass große Ackerflächen von Hecken eingerahmt werden oder Dreiecke und Spitzen als Ausgleichsfläche dienen.

Zu den weiteren Aufgaben des Verbandes gehört es, die Haushalte von Bodenwasser, Bodenluft sowie des naturnahen Grundwassers zu verbessern und ökologische
Verbindungsfl ächen für den Naturschutz zu entwickeln. Des Weiteren gilt es, Flächen, Anlagen und Gewässer zum Schutz des Naturhaushalts, des Bodens und für die Landschaftspfl ege zu erhalten und zu pfl egen. Der Verband möchte auch die Zusammenarbeit zwischen Land- und Wasserwirtschaft fördern und den Schutz von Gewässern, Boden und Natur fortentwickeln. Dazu gehört, ländliche Wege und Straßen umzugestalten und zu unterhalten.
Sowohl viele Landwirte in der Gemeinde Suhlendorf als auch die Vertreter der Naturschutzverbände haben sich bereit erklärt, einer solchen Planung für die landwirtschaftliche Nutzung dieses Raumes zuzustimmen, wenn auch die naturschutzfachlichen Aspekte berücksichtigt werden.
Mit einem sogenannten dynamischen Kulturlandschaftsplan soll dem Verband ein Instrument an die Hand gegeben werden, um die Landschaft optimal zu entwickeln
und den Veränderungen der Zukunft gewachsen zu sein. Dynamisch deshalb, um auf Wünsche reagieren und den Plan jährlich fortschreiben zu können. Zur schnellen
und flexiblen Anpassung an den Klimawandel ist ein innovatives und flexibles Wasser- und Landmanagement erforderlich. Hierzu müssen die Instrumente der
Flurneuordnung angepasst und ergänzt werden. So ist z.B. die Förderung der Beregnungsinfrastruktur durch das FlurbG derzeit nicht abgedeckt. Darüber hinaus ist in Regionen mit überwiegenden Pachtanteilen der Betriebe eine schnelle Anpassung der Agrarstruktur nur mit großen Hindernissen möglich (der Pachtanteil in Niedersachsen liegt über 52%). Der Schwerpunkt des Kulturlandschaftsplans liegt, im Gegensatz zu herkömmlichen Flurneuordnungsverfahren, auf der Veränderung der Landschaftsstruktur und weniger auf der Neuordnung des Grundeigentums. Und das alles auf freiwilliger Basis.

Nun laufen sowohl von Seiten der Landwirtschaft als auch von Seiten des Naturschutzes die Planungen an, wie eine klimaangepasste Landschaft im Bereich Obere Wipperau zukünftig aussehen könnte. Mit einbezogen werden dabei die linearen Beregnungsanlagen, die in den Gemeinden Grabau und Dalldorf aufgestellt werden sollen. Die Verbesserung der Agrarstruktur und die Wirksamkeit der neuen Beregnungssysteme werden von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen bewertet. Die ökologische Bewertung der geplanten Maßnahmen, also Biotopvernetzung und Verlegung von Gehölzen und Wegen, erfolgt durch ein Gutachten, das aus EUFördermitteln des LEADER-Programms und von der Bingo-Umweltstiftung gefördert wird.
Der Wunsch der Verbandsmitglieder ist es, dass ihr Vorhaben Schule macht und von anderen Regionen übernommen wird. Und dass die konkrete Umsetzung der Maßnahmen aus Fördergeldern der EU mitfinanziert wird, da sie sehr deutlich sowohl zur Energieeinsparung als auch zum Klimaschutz beitragen.
Kontakt:
Monika von Haaren
Landwirtschaftskammer Niedersachsen
Bezirksstelle Uelzen
Monika.von Haaren@lwk-niedersachsen.de