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2010-03-01-KLIMZUG-NORD-Newsletter-1-2010-Web

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Einzelheiten T3.4

Beschreibung und Ziele

Das Alte Land ist nicht nur eine einmalige Kulturlandschaft, sondern auch Nordeuropas größtes zusammenhängendes Obstanbaugebiet. Jeder dritte deutsche Apfel wird hier produziert. Der Klimawandel ist im Alten Land längst zur Realität geworden, die Forschung daran seit Jahren ein Schwerpunkt am Obstbau Versuchs- und Beratungszentrum (OVB) Jork. Schon im Rahmen der Klimazwei-Initiative des BMBF konnten Schlüsselaspekte dokumentiert werden:

  • seit den 1970er Jahren hat es eine Temperaturerhöhung von deutlich über 1°C gegeben;
  • die Obstbäume blühen jetzt ca. 19 Tage früher als vor 30 Jahren;
  • der Apfelwickler, wichtigster Insektenschädling der Äpfel, beginnt seinen Falterflug immer früher und zeigt eine verstärkte Tendenz zur „zweiten Generation", also zu einem zweiten Falterflug mit Fruchtbefall im Spätsommer.

Durch die beobachtete Blühverfrühung steigt die Gefährdung durch Spätfrost. Gegen diese Bedrohung hilft eine flächige Frostschutzberegnung. Durch die höheren Sommertemperaturen lassen sich aber auch wärmeliebende Apfensorten anbauen, die vor einigen Jahrzehnten noch nicht zur Reife gekommen wären. Die Ernte wird dabei zunehmend durch Hagelschlag gefährdet. Gegen diese Bedrohung helfen Hagelschutzversicherungen oder Hagelschutznetze. Durch die Zunahme anderer Extremwitterungen, z.B. Folgen von Trockenheit und Staunässe, werden die Bäume empfindlicher gegen Schaderreger. Zudem wird der Klimawandel die Ausbreitung neuer pilzlicher und tierischer Schaderreger fördern, die bislang im Gebiet noch keine Rolle gespielt haben. Viele Obsterzeuger sehen vor allem die Ausbreitung neuer Schadpilze als unmittelbare Bedrohung durch den Klimawandel.

Schon jetzt gibt es Anzeichen für neue oder ungewöhnliche Schadpilze im Alten Land. Im August 2007 wurde erstmals die „Schwarze Sommerfäule" des Apfels beobachtet und sein Erreger als Diplodia seriata identifiziert. Dieser Schadpilz verursacht eine schwere Fruchtfäule kurz vor der Ernte insbesondere auf ökologisch bewirtschafteten Flächen. Grund für die Ausbreitung dieses wärmeliebenden Pilzes sind wahrscheinlich die steigenden Sommertemperaturen. Auch der Lagerfäule-Pilz Colletotrichum acutatum nimmt vermutlich aus diesem Grund im Alten Land an Bedeutung zu. Eine Schwächung der Apfelbäume durch Staunässe und Spätfrost ist hingegen die wahrscheinliche Ursache des Apfelbaumsterbens durch Rindenkrankheiten, verursacht durch eine Kombination von Schadpilzen und holzbohrenden Insekten.

Doch was kann man gegen die Schaderreger tun? Die Antwort gibt KLIMZUG-NORD: Einrichtung eines regionalen, schlagkräftigen, modernen Diagnostiklabors. Ist die Diagnose eines Erregers erfolgt, muss seine Biologie erforscht werden. Dazu kann der diagnostizierte Name des Erregers als Schlüssel für die Fachlieteratur aus anderen Gebieten dienen, aber auch vor Ort muss untersucht werden, wo der Erreger überwintert, wann und wie er infiziert. Erst mit diesem Wissen können sinnvolle Versuche zu seiner Bekämpfung durchgeführt und als Praxisempfehlungen an die Obsterzeuger weitergegeben werden. Im Teilprojekt 3.4 werden Techniken der Mikroskopie, mikrobiologischen Kultivierung und molekularen Identifizierung durch DNA-Sequenzierung zum Einsatz kommen, unterstützt durch Beobachtungen und Versuche im Gewächshaus und Freiland. Die dabei generierten Ergebnisse werden direkt und unmittelbar an die Obsterzeuger der Metropolregion weitergegeben.

Zusammenarbeit

Mehrere Themenfelder und Teilprojekte sind für den Obstbau an der Niederelbe und das OVB Jork von großem Interesse und direkter Praxisrelevanz. Das betrifft insbesondere T1.2 (Grundwasserbeeinträchtigungen in der Elbemündung) als Basis für die Notwendigkeit der Zukunftssicherung der Frostschutzberegnung. Auch T1.3 (Herausforderungen für den Hochwasserschutz) bearbeitet ein für den Altländer Obstbau fundamentales Problem. Eine Beteiligung als Stakeholder am „runden Tisch" von T3.5 (Auswirkungen auf das Grundwasserdargebot) wäre interessant. Die räumliche Nähe des Obstbaus zur Stadt Hamburg mit ihrem hohen Flächenbedarf legt einen Austausch mit T2.3 (Anpassungsstrategien in der Stadt- und Umlandentwicklung) nahe.

Umsetzung

Das OVB Jork ist als Kompetenzzentrum für den Obstbau in Norddeutschland zuständig für die angewandte Forschung (OVA) und die Obstbauberatung (OVR, ÖON, andere Beratungsringe) für ca. 1.400 Obstbaubetriebe und 18.000 ha Obstbaufläche in den norddeutschen Ländern Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Obstbauforschung und Obstbauberatung arbeiten an einem Standort täglich sehr eng zusammen.
Das geplante Projekt gewährleistet die notwendige Reaktions- und Innovationsgeschwindigkeit in der Anpassung der Obstbauforschung und -praxis an Änderungen im Schadenerregerspektrum, die sich aufgrund des Klimawandels immer schneller vollziehen.
Erste phytopathologische Diagnosen haben bereits wertvolle neue Erkenntnisse für die Obstbaupraxis sowie wichtige wissenschaftliche Impulse geliefert. Daher kann unbedingt davon ausgegangen werden, dass die mit dem beantragten Projekt verbundene Etablierung des Schwerpunktes „Diagnostik und ganzheitliche Pflanzengesundheit" am OVB Jork erfolgreich und nachhaltig sein wird.
Eine für die Projektbearbeitung nötige technische Ausstattung des Diagnoselabors am OVB Jork wird durch die OVA und den OVR geschaffen und durch die im Projekt beantragte Investition vervollständigt.

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Ab dem 25.9.2018 können sich Behörden, Unternehmen und interessierte Bürger beim "Deutschen Klimavorsorgeportal" über Möglichkeiten zur Anpassung an den Klimawandel informieren. Bundesumweltministerin Svenja Schulze stellte das Portal gemeinsam mit dem Deutschen Wetterdienst der Öffentlichkeit vor. Das "Deutsche Klimavorsorgeportal" (KLiVO) bietet staatlich geprüfte und aktuelle Informationen zum Klimawandel in Deutschland und Empfehlungen zur Vorsorge gegen Klimaschäden. Mit KLiVO können...
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Mit dem Programm "Anpassung an die Folgen des Klimawandels" fördert das BMU Projektideen zur Bewältigung der Folgen des Klimawandels. Projekt-skizzen zu den drei Förderschwerpunkten "Anpassungskonzepte für Unternehmen", "Entwicklung von Bildungsmodulen" und "Kommunale Leuchtturmvorhaben" können in diesem Jahr im Zeitraum vom 1. August bis zum 31. Oktober 2018 beim Projektträger Jülich eingereicht werden.
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Termine

Fachtagung: Anpassung an den Klimawandel

Veranstaltende: Bildungszentrum für die Ver- und Entsorgungswirtschaft gGmbH (BEW) zusammen mit dem Deutschen Städtetag. Duisburg, 19. November 2018

Praxiswerkstatt Klimafolgenanpassung - Mit Starkregen umgehen

Praktische Beispiele aus norddeutschen Kommunen zeigen die Herausforderungen und Lösungen für den Umgang mit Starkregenereignissen auf. Eine Veranstaltung der Metropolregion Hamburg. Konzept und Durchführung: OCF Consulting, Ahrensburg, 27. November 2018, 14 bis 17.30 Uhr

Technisch-konstruktive Elemente der Abflussverzögerung bei Dachbegrünungen

Fachveranstaltung IFB-informiert, Elbcampus, Zum Handwerkszentrum 1, 21079 Hamburg, 4. Dezember 2018, 17 bis 20 Uhr.

11. Kommunale Klimakonferenz

"Klima- und Nachhaltigkeitsziele kommunal verankern": So lautet der Titel der 11. Kommunalen Klimakonferenz, zu der das Bundesumweltministerium und das Deutsche Institut für Urbanistik Kommunalvertreter, Experten und Multiplikatoren herzlich nach Berlin ins dbb Forum einladen. Berlin, 6. und 7. Dezember 2018.

4. Hamburger Symposium zur regionalen Gesundheitsversorgung

Was macht eine Stadt zur gesunden Stadt? Fachkonferenz mit Vertretern aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesundheitsversorgung. Veranstaltende: Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Hamburg, 28. Februar 2019