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HCU - Mehr Platz für Regenwasser.

Mehr Platz für Regenwasser.

Mitbenutzung von Flächen für die

Regenwasserbewirtschaftung



Regenwasser auf Grün- und Verkehrsflächen zwischenzuspeichern, zu versickern oder über diese Flächen abzuleiten ist eine Möglichkeit, Siedlungsgebiete vor Überflutungen bei Starkregen zu schützen. Eine Studie der HafenCity Universität Hamburg und Hamburg Wasser


von Elke Kruse (HCU), Wolfgang Dickhaut (HCU), Axel Waldhoff (Hamburg Wasser)

Abb 02 Lübeck Stadtteilpark  

 

Im Hochschulstadtteil Lübeck wird das Regenwasser über Notwasserwege über die Grünflächen in einen Vorfluter geleitet.

 

Abb 01 Lübeck B-Plan  

 

Hochschulstadtteil Lübeck
Bauträger: HEG Hochschulstadtteil Entwicklungsgesellschaft mbH Beteiligte Behörden: Hansestadt Lübeck, Bereich Stadtplanung, Naturschutz, Stadtgrün, Umweltschutz (Wasserbehörde), Wasser und Hafen und die Entsorgungsbetriebe Lübeck Planung: itwh Institut für technisch wissenschaftliche Hydrologie GmbH, Hannover, Christoph Lehners, Niels Wittorf, Lübeck

 

Nach starken Regenfällen kann es in Siedlungsgebieten zu lokalen Kanalüberflutungen kommen. Wachsende Flächenversiegelung und die prognostizierte Zunahme von Starkregenfällen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass derartige Überflutungen auftreten.

Bei Starkregen stellt die „Mitbenutzung“ von Flächen eine Möglichkeit dar, unkontrollierte Überschwemmungen zu verhindern: Ausgewählte Bereiche einer Fläche, die normalerweise zum Beispiel Teil eines Parks sind, werden geregelt geflutet, um Schäden an anderer Stelle abzuwenden. Diese Flächen werden bei Starkregen genutzt, um das Wasser temporär zwischenzuspeichern, zu versickern, zu transportieren beziehungsweise abzuleiten.

Da diese Ereignisse nur selten auftreten, stellt die Mitbenutzung der Fläche nicht den Normalfall, sondern die Ausnahme dar. Auf den betroffenen Flächen wird das Regenwasser meist nur einige Zentimeter aufgestaut und dies nur für wenige Stunden, um so die Abflussspitzen zu dämpfen.

Doch wie wird mit dieser Thematik umgegangen? Das Kompetenznetzwerk Hamburg Wasser (KHW) hat sich in den vergangenen zwei Jahren mit dieser Fragestellung beschäftigt und dazu Anfang des Jahres gemeinsam mit der HafenCity Universität Hamburg (HCU) einen Workshop organisiert. Als Vorbereitung wurden von der HCU deutschlandweit neun Beispiele recherchiert, wovon im Folgenden vier vorgestellt werden:

Abb 03 Potsdam Grünfläche  

 

Ein Großteil des Regenwassers des Potsdamer Stadtteils Bornstedter Feld versickert in den Grünflächen. In diesem Quartierspark (Entwurf: bgmr) dienen Betonmauern als Staustufen und Gestaltungselemente. Planung: itwh Institut für technisch wissenschaftliche Hydrologie GmbH, Hannover, Christoph Lehners, Niels Wittorf, Lübeck

 


Abb 04 Potsdam Entwurf  

 

Bauträger: Entwicklungsträger Bornstedter Feld GmbH, Potsdam Genehmigende Behörde: Landeshauptstadt Potsdam Planung: bgmr Landschaftsarchitekten, Berlin, in Zusammenarbeit mit Müller-Kalchreuth Planungsgesellschaft für Wasserwirtschaft in Berlin mbH


Notwasserwege Hochschulstadtteil Lübeck


Im Rahmenplan für den neuen Hochschulstadtteil Lübeck wurde eine nachhaltige Stadtentwicklung festgelegt. Aus diesem Grund hat das Büro itwh aus Hannover ein umweltschonendes Regenwasserkonzept für den öffentlichen und den privaten Raum erarbeitet.

Das Konzept sieht vor, den Eingriff in den bestehenden Wasserhaushalt möglichst gering zu halten. Um dies zu unterstützen, wurden die Einleitmengen in das angrenzende Gewässer auf 0,6 L*(s*ha)-1 begrenzt.

Im Bebauungsplan sind sogenannte Notwasserwege als Leitungsrecht oberhalb der hydraulischen Bemessungsgrenzen auf öffentlichen Straßen und Grünflächen planungsrechtlich festgesetzt worden. Um das Wasser auf den Straßen halten zu können, sind spezielle Hochborde notwendig. Über diese Notwasserwege wird das Wasser bei Starkregen durch den Carlebach Park in das angrenzende Gewässer geleitet.

Die Kostenbeteiligung an der Unterhaltung der Notwasserwege und den Überflutungsflächen wird stadtintern zwischen dem Fachbereich Stadtgrün und den Entsorgungsbetrieben geregelt.

Bornstedter Feld, Potsdam

Für den Bebauungsplan Bornstedter Feld in Potsdam wurde aus Gründen des Gewässerschutzes eine dezentrale Regenwasserbewirtschaftung gefordert. Der Bebauungsplan schreibt vor, das Niederschlagswasser von öffentlichen Verkehrsflächen und Flächen für Einrichtungen der sozialen Infrastruktur zu versickern. Daher ist es auf einem Drittel der öffentlichen Grünflächen zulässig, Niederschlagswasser zu versickern.

Die Landschaftsarchitekten vom Berliner Büro bgmr haben in Zusammenarbeit mit dem Büro Müller‑Kalchreuth ein Regenwasserkonzept erarbeitet, das bei starkem Regen Niederschlagswasser aus dem umgebenden straßenbegleitenden Mulden-Rigolen-System auf eine Grünfläche leitet, die sowohl als Quartierspark mit Kinderspielplatz als auch teilweise als Versickerungsmulde fungiert. Mit dem angrenzenden Spielbereich bildet die Retentionsfläche trotz unterschiedlicher Anforderungen eine zusammenhängende gestalterische Einheit. Die überwiegende Zeit des Jahres kann diese Fläche als Grünfläche genutzt werden und ergänzt damit das Spiel- und Freizeitangebot innerhalb des Stadtteils.

Langenhagen - Weiherfeld bei Hannover

 

Abb 05 Langenhagen  

 

Abb 06 Langenhagen  

 

Die Planer der Gruppe Freiraumplanung aus Langenhagen gliedern das Baugebiet Weiherfeld in Langenhagen durch „Grünkeile“, die sowohl Versickerungs- und Retentionsflächen als auch Spielplätze beinhalten.

 

Abb 07 Langenhagen Grünkeile  

 

Bauträger: Entwicklungsgesellschaft mbH Genehmigende Behörde: Stadt Langenhagen Planung: Gruppe Freiraumplanung, Langenhagen, in Zusammenarbeit mit der Ingenieurgesellschaft für Stadthydrologie mbH, Hannover

Beim neuen Stadtteil Weiherfeld in Langenhagen war aufgrund der begrenzten hydraulischen Leistungsfähigkeit des Gewässers die fast vollständige Regenwasserversickerung eine Voraussetzung für den Bau. Die wasserwirtschaftlich für die Retention und Versickerung zu nutzenden Flächen wurden von den Landschaftsarchitekten der Gruppe Freiraumplanung aus Langenhagen mit Spiel- und Sportflächen in „Grünkeilen“ kombiniert. Das Thema Wasser wurde hier auch für die Gestaltung der Spielplätze aufgegriffen, zum Beispiel in Form einer Wasserspielanlage.

Die wasserwirtschaftlichen Flächen sind fast das ganze Jahr über als informelle Spiel- und Sportflächen nutzbar. Die finanziellen Mittel aus der Wasserwirtschaft zur Unterhaltung dieser Flächen ermöglichen, einen hohen Pflegestandard zu halten.



Bei dem Neubau eines Baumarktes in Hamburg-Stellingen stellten folgende Randbedingungen die Entwässerungsplaner vor eine Herausforderung:

  • Einleitbegrenzung in den öffentlichen Regenwasserkanal
  • keine direkte Einleitmöglichkeit in ein Gewässer
  • keine Möglichkeit zur Versickerung aufgrund von Bodenkontaminationen.

 

Abb 07 Max Bahr  

 

Da das Regenwasser in der Umgebung eines Baumarkts in Hamburg-Stellingen nicht versickert und nur begrenzt in den Kanal eingeleitet werden kann, sahen die Ingenieure von Masuch + Olbrisch aus Hamburg vor, das Wasser auf dem Parkplatz zwischenzuspeichern. Die Visualisierungen zeigen den Parkplatz bei einem 5- und 30-jährigen Regenereignis.
 

 

Das Ziel der Planer von Masuch & Obrisch ingenieurgesellschaft mbH aus Hamburg war es daher, den Oberflächenabfluss zu reduzieren. Zudem sollte ein möglichst flächen- und kostensparendes Entwässerungskonzept entwickelt werden. Nach Abwägung verschiedener Varianten fiel die Wahl auf eine Kombination aus Dachbegrünung, Stauraumkanal und Mitbenutzung des Kundenparkplatzes. Das aus dem Stauraumkanal entlastete[W1]  Regenwasser wird bei Starkregenereignissen an den tiefsten Punkten der Parkplatzumfahrt kurzzeitig aufgestaut. So wird zusätzliches Stauvolumen geschaffen, bevor das Regenwasser zeitverzögert in das städtische Kanalnetz eingeleitet wird.


Fazit

Im Rahmen der Recherchearbeiten wurden bundesweit nur wenige Beispiele gefunden, in denen die Mitbenutzung systematisch in das Regenwasserbewirtschaftungskonzept eingebunden wurde. Mögliche Gründe hierfür sind sicherlich die geringe Erfahrung mit diesem Thema und fehlende Planungsleitlinien. Hinzu kommen offene juristische Fragestellungen wie die Verkehrssicherungspflicht und die Schadenshaftung. Auch die Finanzierung für Bau, Betrieb und Unterhaltung von mitbenutzen Flächen ist oftmals unklar, so dass viele Kommunen die Flächenmitbenutzung nicht in Erwägung ziehen.

Die aufgeführten Best-Practice-Beispiele zeigen jedoch, dass Bedenken und Risiken überwunden werden können und letztendlich die Gebiete davon profitieren, dass die  wasserwirtschaftlichen Flächen und damit der Freiraum insgesamt gestalterisch aufgewertet  werden. Außerdem ergeben sich Synergieeffekte, da die wasserwirtschaftliche Mitbenutzung Grünflächen dauerhaft sichert und ihre Finanzierung und Pflege sicherstellt .

Der nachhaltige Umgang mit Regenwasser ist eine Aufgabe, die nicht nur die Siedlungswasserwirtschaft betrifft, sondern insgesamt in der Stadt- und Freiraumplanung stärker berücksichtigt werden muss.

 

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