Harburger Schüler berichten vom ExtremWetterKongress 2011
Der diesjährige Extremwetterkongress fand vom 12. -15. April 2011 an der Universität Hamburg statt. Auch dieses Jahr erschienen zahlreiche renommierte Referenten. KLIMZUG-NORD ermöglichte uns den Besuch dieses beeindruckenden Symposiums.
Blick ins Foyer der Universität Hamburg
Schon beim Betreten des Foyers stach uns ein großer leuchtender Globus ins Auge, auf dem verschiedene Klimaentwicklungsszenarien interaktiv veranschaulicht wurden. Über drei Stockwerke gab es etliche Informationsstände unterschiedlicher Arbeitsgruppen und Unternehmen. Diese präsentierten ihre beeindruckenden Ergebnisse rund um unser Klima. Besonders interessant waren z.B. der Stand des Helmholtz-Zentrums Geesthacht, der den Besuchern die überschwemmungsbetroffenen Gebiete Norddeutschlands bei fehlendem Küstenschutz zeigte und das Simulationsgerät von wetterspiegel.de, welches die Entstehung eines kleinen Tornados im Modell darstellte.
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Die Vorträge betrachteten das Problem des Klimawandels aus diversen Perspektiven und boten somit einen tiefen Einblick in die Folgen extremen Wetters in verschiedenen betroffenen Bereichen. Der Biologe Prof. Dr. Oliver Tackenberg hielt beispielsweise einen Vortrag über die Auswirkungen des Klimawandels auf die europäische Biodiversität. Sein Ergebnis war, dass die Klimazonen und die entsprechenden Tier- und Pflanzenarten ihre Areale mit einer Geschwindigkeit von ca. sechs Kilometern pro Jahr nach Norden verlagern werden. Im nächsten Vortrag präsentierte Prof. Dr. Guy Brasseur seine alarmierenden Zahlen bezüglich der Luftqualität in Metropolregionen. Aus diesen Statistiken ging hervor, dass in Deutschland jährlich 1,8 Millionen Menschen an den Folgen der Luftverschmutzung vorzeitig sterben. Zudem würde jeder Deutsche ohne Luftverschmutzung durchschnittlich ein Jahr länger leben. |
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| Tornadosimulation |
Für anschließende Fragen fehlte Brasseur leider die Zeit, da er rechtzeitig seinen Flug nach Brüssel antreten musste. Aus den Vorträgen ergaben sich auch praxisorientierte Verhaltensvorschläge für unseren Alltag: So sollte man etwa den Gebrauch von Ventilatoren oder Einzel-Klimaanlagen vermeiden und intelligent stoßlüften.
Prof. Dr. Guy Brasseur bei seinem Vortrag
Kleine Wissenschaftszweige waren ebenfalls präsent; Prof. Helmut Meyer vertrat z.B. die urbane Humanbiometeorologie, die sich unter Anderem mit der menschlich gefühlten Temperatur im Schatten eines Baumes beschäftigt.
Unser persönliches Highlight war der Vortrag „Warum brauchen wir immer erst die Katastrophe" von Dipl.-Met. Sven Plöger, in dem humorvoll, aber trotzdem kompetent die soziopsychologische Struktur von Gesellschaft und Politik dargestellt wurde. Dabei erfuhren wir beispielsweise, dass etwa 90% der weltweiten Energie aus fossilen, also für uns nur extrem langsam regenerierbaren, Brennstoffen stammt, wozu täglich 14 Milliarden Liter Erdöl verbrannt werden. Nur 0,5% stammen hingegen aus Solarenergie, wobei uns die Sonne bis zu 5810 mal so viel Energie liefert, wie wir eigentlich benötigen. Sehr anschaulich wurde den Anwesenden gezeigt, dass wir ohne einen Wandel in unserem Denken bald schon die Rohstoffe von zwei Erden verbrauchen würden, was natürlich auf Dauer nicht haltbar wäre. Des Weiteren gibt es ein psychologisches Problem in der Gesellschaft, das darin besteht, dass das CO2 ein unsichtbares, geruchloses Gas in unserer Atmosphäre ist, das wir praktisch nicht wahrnehmen und dadurch keinen direkten Bezug zu unserem Verhalten herstellen können.
Die Besucher wurden in die Vorträge eingebunden, indem der Moderator Frank Böttcher ihnen bei anschließenden Podiumsdiskussionen die Gelegenheit bot, den Referenten direkte Fragen zu stellen.
Podiumsdiskussion mit Hans von Storch, Verena Gonsch, Frank Böttcher und Sven Plöger (v.l.n.r.)
Insgesamt war der Kongress sehr lehrreich und empfehlenswert. Trotz des hohen wissenschaftlichen Niveaus war er auch für Laien verständlich, was nicht zuletzt daran lag, dass die Referenten führend in ihrem Fach waren und dieses dank ihrer rhetorischen Fertigkeiten jedem schlüssig erklären konnten. Für uns war der Besuch des Extremwetterkongresses auf jeden Fall lohnenswert und eine äußerst wertvolle Erfahrung.
Autoren und Fotos: Serhat Etdöger und Vincent Fortuin von der Stadtteilschule Harburg
