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Modell Kaufering: Nachhaltige Klimaanpassung mit den Kräften der Natur

Das Jahr der Wälder bot uns Forstleuten eine hervorragende Möglichkeit, die Leistungen des Waldes herauszustellen. Das Beispiel Kaufering zeigt die notwendigen Entwicklungen.

Ziel ist es, die Waldnatur so zu stärken, dass sie den zukünftigen Klimabedingungen und Witterungsextremen gewachsen ist und so die Lebensqualität für die nächste Generation sichert. Stärken des Waldes sind: Klimapuffer, Feinstaubverringerung, Trinkwasser- und Hochwasserschutz, Erosionsschutz und Erholung. Schwächen des Waldes sind: Hohe Anfälligkeit gegen Witterungsextreme, ein langer Produktionszeitraum und daher nur langfristig sichtbare Ergebnisse.

Nachhaltigkeitskonzept_Markt_Kaufering.jpg

Notwendige Strategie für die Forstwirtschaft

Der Waldumbau muss wesentlich beschleunigt werden um die Probleme Witterungsextreme, Biodiversität, Bodenversauerung und Wassermanagement zu lösen.

1. Nachhaltige Energieversorgung
Für das Heizkraftwerk werden jährlich 10.000 Tonnen Hackschnitzel benötigt. Daher sind zusätzlich Energie-, Nieder- und Mittelwälder notwendig, um die Biomasse zu sichern.

2. Nachhaltiges Wassermanagement
Im Trinkwasserschutzgebiet Kaufering wird überwiegend intensive Landwirtschaft betrieben. Daher haben die Wasserwerke ein Anreizsystem geschaffen, um die hohen Nitratwerte zu reduzieren. Im Jahre 2002 wurde dieses Anreizsystem auf den Wald ausgedehnt. Bezahlt werden 275 Euro pro Hektar und Jahr, seit 2008 auch für Energiewälder 230 Euro pro Hektar und Jahr.

3. Nachhaltige Bodennutzung
Unsere Böden sind unsere entscheidende Produktionsgrundlage. Die forcierte Versauerung der Oberböden muss gestoppt und eine Revitalisierung eingeleitet werden. Die säureempfindlichen Regenwürmer sind ein hervorragender Weiser für die Bodengüte.

4. Nachhaltiges Jagdmanagement
Seit 2000 wird die Jagd in Kaufering in Eigenregie ausgeübt. Durch das rasche Absenken des Rehwildbestandes war nach wenigen Jahren ein völlig anderes Bild am Waldboden vorzufinden. Alle wichtigen Baumarten verjüngen sich ohne Schutz und die krautige Flora nimmt sichtbar zu.

5. Nachhaltige Lebensqualität
In den letzten Jahrzehnten hat der Wald im nördlichen Landkreis Landsberg am Lech massive Flächenverluste hinnehmen müssen. Um gegenzusteuern müssen daher in Ortsnähe die notwendigen Klimapuffer und Feinstaubfilter aufgebaut werden. Mit Energiewäldern können wir näher an die Häuser heran pflanzen, da sie im Vergleich eine wesentlich geringere Höhe erreichen. Während beim Energiewald bereits nach 3 Jahren die Klimaleistung beginnt, dauert dies beim Hochwald mindestens 10 Jahre. Der Temperaturunterschied im Sommer beträgt circa 15 °C am Tag und die notwendige Verdunstungsenergie benötigt ein Vielfaches dessen, was der Wald an Holz speichert.

Ein weiteres Umsetzungsbeispiel im Projektgebiet ist der Klimaschutzwald der Gemeinde Obermeitingen. Dieser war 1980 gut zwei Hektar groß. In den letzten 10 Jahren hat die Gemeinde die Waldfläche auf 18,5 Hektar vergrößert. 2030 werden daher im Sommer mindestens 1,3 Millionen Liter Wasser pro Tag verdunstet.

Chancen für die Forstwirtschaft

Dank der knapper werdenden fossilen Energieträger und der Verteuerung klimaschädlicher Produkte verbessern sich die Rahmenbedingungen für das Holz. Sollte es gelingen, die Gemeinwohlleistungen des Waldes richtig und überzeugend zu bewerten und dafür Erträge zu generieren, eröffnen sich bessere Perspektiven, um eine zukunftsfähige, nachhaltige Anpassung im Wald zu realisieren und noch rechtzeitig die Probleme Klimawandel, Biodiversität, Bodenversauerung, Stickstoffeintrag und Wassermanagement zu lösen. Für diese anspruchsvolle Arbeit sind qualifizierte und motivierte Forstleute unverzichtbar.

Text: Ludwig Pertl, Kaufering

Weitere Informationen: Forstinfo - Alle Ausgaben

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