Annaberger Klimatage: Witterungsextreme nehmen zu
Experten sehen bei Anpassung an den Klimawandel riesige Diskrepanz zwischen Wissen und Handel
Die kleine Emma aus der Kita "Eichhörnchen" in Annaberg-Buchholz hat klare Vorstellungen von einer heilen Welt. Sie hat sich selbst auf einer Postkarte gemalt, lässt einen Drachen steigen, ein Regenbogen ziert den Himmel, auf grünen Wiesen blühen bunte Blumen. Zusammen mit anderen Kindern wurden so an die 1000 Karten gestaltet und einen Tag vor den am Mittwoch eröffneten Annaberger Klimatagen mit bunten Luftballons von der Bergstadt aus auf Reisen geschickt. Während Emma und ihre Altersgenossen recht klare Vorstellungen vom Klima und von ihrer Welt der Zukunft haben, diskutieren bis Donnerstag 120 Experten vor allem darüber, wie und inwieweit überhaupt eine Anpassung an den unaufhaltsamen Klimawandel erfolgen kann.
Fritz Jaeckel, Staatssekretär im sächsischen Umweltministerium räumte ein, dass der wirklich große Durchbruch zur Beherrschung des Klimawandels noch aussteht. Und das, obwohl sich keineswegs eine beruhigende Entwicklung vollziehe. 2010 sei das wärmste Jahr aller Zeiten gewesen, 2011 erlebte Deutschland zudem das wärmste und trockenste Frühjahr. Zwar habe es 2002 nach der Jahrhundertflut mit Schäden in Höhe von sechs Milliarden Euro und zwei Dritteln überfluteter Landesfläche ein Umdenken gegeben. Aber die Bereitschaft zum vernünftigen Handeln gehe zurück, beschreibt Christian Bernhofer von der Professur für Meteorologie der TU Dresden seine Erfahrungen. Auch Christian Becker, Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes, konstatiert: "Das Klimabewusstsein der Bevölkerung ist leider an Extremereignisse gekoppelt. Je mehr Zeit vergeht, umso mehr sinkt dieses Bewusstsein."
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Text: Gabi Thieme